12 Jahre Bundeswehr

12 Jahre war ich bei der Bundeswehr. 12 Jahre die ich nicht missen möchte. Rechtes Gedankengut ist mir ebenso wenig begegnet wie Wehrmachtsverherrlichung. Ja, wir haben „Westerwald“ und „Landsknecht“- Lieder gesungen und waren in Kasernen untergebracht, die Namen von Wehrmachtssoldaten am Kaserneneingang tragen. Natürlich gab es ein Aufnahmeritual wenn man zum Unteroffizier und später zum Feldwebel befördert wurde. Rituale sind ein wichtiger Bestandteil einer Gemeinschaft. Sie festigen diese nach innen und nach außen. Ich war und bin stolz darauf dieser Gemeinschaft angehört zu haben. Wir haben einen Eid auf die Verteidigung der Bundesrepublik Deutschland geschworen. Wissentlich dafür notfalls unser Leben zu geben.

Was mir zunehmend missfällt ist, wenn angebliche Fachleute, die die Bundeswehr nur aus Film und Fernsehen kennen, jetzt plötzlich meinen zu wissen, wie eine Armee geführt werden muss. Der gemeine Soldat hat keinen Krieg angefangen. Es war immer die politische Elite, der Adel, bzw. die Wirtschaftsbosse, die in einem Krieg ihre individuellen Ziele verfolgten. Der Soldat hat gelitten und großes Leid mit ansehen müssen. Notfalls hat er für den Machthunger anderer sein Leben gegeben. Jetzt will man eine saubere Armee, eine Armee mit einer 40 Stundenwoche mit Kindergärten und Freizeitangeboten. Eine Armee, die sich ihre Vorbilder nun aus der Bundeswehr nehmen sollen. Einer Bundeswehr, die bis vor wenigen Jahren, Jahrzehntelang (darüber können wir allerdings sehr froh sein) nicht viel mehr als technischen Dienst und geplante Manöver durchgeführt hat. Ziemlich blauäugig, oder?

Rechtes Gedankengut hat in einer Armee nichts verloren. Aber Stolz auf seinen Dienst als Soldat der Bundeswehr, dass darf wohl noch sein.

MFJ. F, Oberfeldwebel d. R.

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2 Antworten zu 12 Jahre Bundeswehr

  1. Heike Rung-Braun schreibt:

    Lieber Michael Frech,
    ich maße mir als Frau keine Bewertung zur inneren Führung bei der Bundeswehr an, mache mir aber natürlich so meine Gedanken.
    Aus meiner Sicht ist es wichtig und richtig, dass sich viele Bundeswehrangehörige und Reservisten in die aktuelle Debatte um Wehrmachtdevotionalien und die „innere Haltung“ einbringen und den „Außenstehenden“ über ihre Erfahrungen berichten. „Wer schreibt, der bleibt“.
    Auch du, lieber Michael, ein anständiger Freier Wähler, schreibst in deinem blog von Aufnahmeritualen. Genau zu diesem Stichwort grassieren doch viele negative Geschichten bis hin zu angeblichen Selbstmorden von solchen, die solchen „Anforderungen“ nicht gewachsen waren. Klärt uns doch bitte auf, was da passiert, hinter den Kasernentoren (oder auf den Marineschiffen) bei einem „Aufnahmeritual“. Das, was kürzlich in einer österreichischen Tatort-Folge so krass inszeniert wurde, darf jedenfalls auch bei der Bundeswehr nicht passieren dürfen. Auch für den Staatsbürger in Uniform gelten die Grundrechte und das Persönlichkeitsrecht. Wenn Vorgesetzte oder Kameraden dazu eine andere „Haltung“ haben sollten, erlaube ich mir als Außenstehende zu sagen: „Das darf nicht sein“.

    Heike Rung-Braun

    • denknach schreibt:

      Hallo Heike,
      gern komme ich deiner Bitte nach.
      Oft wird mehr hineininterpretiert als wirklich dran ist. Neben der obligatorischen Einladung zur Beförderungsfeier sind die Rituale zwar amüsant aber eigentlich unspektakulär. Man könnte sie vergleichen mit den Ritualen die ein Brautpaar bei einem Polterabend „erleiden“ muss. Da müssen Kurzreferate über alltägliche Dinge gehalten werden. Die Themen werden natürlich erst kurz vorher bekannt gegeben. Die Neuen bekommen einen Katalog mit Fragen übergeben, die sehr schnell zu beantworten sind. Die Fragen beziehen sich auf Allgemeinwissen, bzw. Fachwissen in Bezug auf die Einheit. Oder ein Parkour muss in einer lustigen Verkleidung überwunden werden. Wie du siehst nichts Außergewöhnliches.
      Natürlich kann ich nicht für alle sprechen. So wie es aussieht gab es Einheiten die es für notwendig hielten ihre angebliche „Sonderstellung“ auch intern zu zelebrieren. Hier hat die militärische Führung eindeutig versagt! Aufnahmefeiern, die ich erlebt habe hatten immer den gleichen Ablauf und nie das Potenzial für einen Tatort.

      Gruß
      Michael

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